Wenn Chefs sich ständig aufspielen…
Allerorten werden neue Führungsmodelle propagiert, wird von neuen Rollen der Chefs und Mitarbeiter gesprochen, wird über effektive Führung referiert… aber was kommt im Alltag davon an? Wie werden Unternehmen davon verändert? Wie verändern Chefs ihr Auftreten, ihre Kommunikation, ihre Führung?
Manchmal hat man den Eindruck, dass recht wenig passiert. Trotz aller Seminare, Reden und Bücher sind viele Chefs und Chefinnen nicht in der Lage ein modernes Führungsverhalten zu entwickeln. Sie wollen oft das Gute, verfallen aber ständig in die alten Muster. Natürlich gibt es auch genügend, die es nicht einmal wollen, weil sie sich in ihrer Rolle sehr gut gefallen.
Das bedeutet nun nicht, dass alle Chefs alles verkehrt machen, sie absolute Nullen wären. Nein. Die Wahrheit ist viel komplizierter. Denn es gibt tatsächlich eine Menge wirklich toller Menschen in Führungspositionen, die aber dennoch eine Menge verkehrt machen. Dafür gibt es drei Gründe:
1. Sie wissen es nicht besser oder aber,
2.was häufiger vorkommt, sie unterschätzen den Aufwand an Zeit und Kraft, den es braucht, um Veränderungen im eigenen Verhalten zu bewirken und schließlich
3. sie geben zu schnell auf und glauben nicht daran, dass ein neues Modell wirklich eine wesentliche Verbesserung bewirken würde.
Das Ergebnis ist immer das gliche: Man verfällt in die alten autoritären Muster von Führung, bei denen es um ein Imponiergehabe geht, weil man dem anderen unbedingt die eigne Sicht der Dinge aufzwingen will. Chefs und Chefinnen spielen sich dann in schöner Regelmäßigkeit auf.
Aber genau diese Zeiten sind vorbei. Führungspersonen brauchen heute eine ganz andere Rollendefinition, ein anderes Führungsverständnis. Das hat weniger mit dem Heldenansatz zu tun, den viele gerne pflegen. Menschen wollen heute keine Helden mehr unterstützen, sondern selber ihre Talente und ihre Leidenschaft leben. Aber weil Führungspersonen zu sehr auf sich fixiert sind, passiert genau das nicht. Im Gegenteil: Chefs rauben ihren Mitarbeitern die Leidenschaft, gehen mit den Talenten falsch um.
Ein Baustein eines neuen Führunsgverständnisses wäre es, komplett auf jede Regung zu verzichten, sich aufspielen zu wollen. Das kann sich im Anbrüllen, Rumschreien, Angeberverhalten oder ähnlichen äußern. Es geht vielmehr darum, seine Mitarbeiter zu bevollmächtigen.
Bevollmächtigen – ein komisches Wort. Die englischsprechende Weltbevölkerung hat es hier besser. Man spricht dann von Empowerment. Es geht um “Ermächtigung”. Es geht darum, Mitarbeiter die Befugnis, das Recht, die Ressourcen zu geben, ihren Job zu erledigen. Es geht auch darum, ihnen mehr Autonomie zuzugestehen.
Wenn man den Alltag in vielen Unternehmen und Abteilungen aus der Sicht von Mitarbeitern anschaut, wird aber genau das Gegenteil gelebt: Entmutigung, Herabsetzung und Einengung. Das muss nicht immer so stark geschehen. Aber es geschieht immer, wenn Chefs sich aufspielen.
Steffen Tom
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